Reiterpraxis.


Raus aus der Reithalle

Geländereiten tut gut und macht Spaß

Spezialisten sind normalerweise sehr gefragt. Wer sich jedoch beim Reiten nur noch auf eine Disziplin – vor allem die Dressur – spezialisiert, tut weder sich noch dem Pferd einen Gefallen. Nicht von ungefähr gibt es Pferde, die über jeden Maulwurfshügel stolpern, weil sie nur den geharkten Hallenboden gewohnt sind, und Reiter, denen jahrelang kein frischer Wind im flotten Galopp um die Nase geweht ist. Und wann planen Sie Ihren nächsten Geländeritt?

Das Gelände ist die ursprünglichste und natürlichste Umgebung, in der sich Reiter und Pferd gemeinsam bewegen können – nur leider wird es viel zu selten richtig genutzt! Geländereiten bedeutet weder, das Pferd am hingegebenen Zügel durch die Gegend latschen zu lassen, noch ist eine wilde Hetzjagd über Stoppelfelder gemeint.
Ganz im Gegenteil: Die vielfältigen Anforderungen, die Feld, Wald und Flur bereithalten, eignen sich weitaus besser zur Gymnastizierung und Ausbildung des Pferdes als jede umzäunte oder überdachte Reitbahn. Jeder, der es mal ausprobiert hat, weiß: Das Schulterherein, an dem man sich wochenlang in der Halle die Zähne ausgebissen hat, klappt auf dem Waldweg plötzlich wie von selbst. Und viele Reiter konnten sich schon darüber freuen, dass etwa eine Kletterpartie einen Hang hinab ein Pferd ganz automatisch versammelt: Plötzlich wölbt sich der Rücken vorbildlich auf und das Pferd nimmt ganz selbstverständlich mehr Last mit der Hinterhand auf. Ganz klar, dass es anschließend dann auch in der Dressurstunde mit dem reinen Takt viel besser klappt und die Losgelassenheit nicht mühsam erarbeitet werden muss. Was hält uns also davon ab, öfter mal querfeldein zu reiten? Die mancherorts eingeschränkten Möglichkeiten zum Ausreiten sind meist ein vorgeschobener Grund. Denn wer sein Pferd verladen kann, um zum Dressurtraining zu fahren, könnte hin und wie- der auch eine der nächstgelegenen Geländestrecken ansteuern. Und die Angst vor Unfällen? Bei fachkundiger Anleitung ist sie unbegründet. Es geht ja nicht darum, Tiefsprünge schwierigster Art zu überwinden – wenngleich die Pferde kleine Baumstämme, Gräben oder Hecken meist sehr gern springen. Das Geländereiten ist im Gegenteil sogar aktiver Gesundheitsschutz, weil Pferd und Reiter lernen, mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen und Umweltreizen souverän umzugehen, weil sie ein sicheres Gleichgewicht entwickeln und auch mal einen flotten Galopp trainieren.

 
    "Komme zu Pferde! Komme in Sonne und Luft!
    Lass die Reitbahn mit Staub, Ecken und Enge den
    engeren Menschen."
   (Rudolf Georg Binding, Schriftsteller, 1867–1938
 

Wasser: Vertrauen ist alles

Nichts ist im wahrsten Sinne erfrischender als ein Galopp durchs Wasser – für den Körper, aber auch für die Seele. Wasser macht erst dann Probleme, wenn das junge Pferd nicht umsichtig an die neue Aufgabe herangeführt wurde. In der Wildbahn drohen an Wasserstellen Gefahren, dies weiß das Pferd instinktiv. Hineingaloppieren oder -springen grenzt an Selbstmord – es sei denn, das Pferd hat so viel Vertrauen zu seinem Reiter entwickelt, dass es sich bedingungslos auf die Sicherung der Situation durch den ranghöheren Menschen verlässt. Wer an zu tiefen oder zu unebenen Wasserhindernissen trainiert, wer ungeschickt anreitet oder rüde einwirkt, signalisiert dem Pferd Gefahr. Das genetisch verankerte Misstrauen vor Wasser wird dadurch nur bestätigt. Oberstes Gebot ist es daher: Vertrauen schaffen, in Ruhe an neue, fremde Aufgaben gewöhnen, erst dann die Anforderungen langsam steigern – diese Vorgehensweise sorgt nicht nur dafür, dass Pferd und Reiter im Gelände richtig viel Spaß haben, sondern lässt auch vermeintliche Hürden wie Gewässer oder Gräben zur Selbstverständlichkeit werden.

 

 Busch-Infos im Netz
 Auf der Suche nach der nächstgelegenen Geländestrecke oder dem  passenden Lehrgang? Viele nützliche Infos für Vielseitigkeitsreiter  sind auf der Seite www.vielseitigkeitsreiten.de zusammengestellt.  Einfach mal draufklicken!